Achtsam durch den Winter

Wie du die kalte Jahreszeit bewusst genießen kannst

Forscher sind sich einig: Wer zu viel auf einmal versucht, schafft nichts richtig. Deshalb geht der Trend vom langjährig praktizierten Multitasking wieder zurück zum Monotasking. Wenn wir unseren Geist auf eine Sache lenken, so erledigen wir Dinge konzentrierter, arbeiten effizienter und fühlen uns wohler. 

Obwohl der Begriff der Achtsamkeit bereit 600 v. Chr. in der heiligen altindischen Schrift erstmalig als „Sati“ erwähnt wurde, konnte erst im Jahre 1974 mit der Gründung der Insight Meditation Society in Massachusetts (USA) ein erster wichtiger Meilenstein für die Implementierung der Achtsamkeit in der westlichen Welt gesetzt werden.

Durch ein regelmäßiges, achtsames Wahrnehmen der eigenen Emotionen, das heißt präsent und absichtsvoll im Hier und Jetzt zu sein, ohne dabei zu bewerten, ist es möglich die eigenen Emotionen besser zu regulieren und zudem einen nachhaltigeren Umgang mit der persönlichen Stressresilienz zu erlernen.

Außerdem kann die Achtsamkeitspraxis unsere kognitiven Fähigkeiten verbessern, unser Wohlbefinden erhöhen und unser Mitgefühl positiv beeinflussen. Dies konnte unter anderem die Psychologin und Neurowissenschaftlerin Prof. Dr. Tania Singer im Rahmen des ReSource Projekts – einer der größten Langzeitstudien, welche die positiven Effekte mentalen Trainings auf uns Menschen untersuchte, belegen.

„Alles, was wir für uns selbst tun, tun wir auch für andere, und alles, was wir für andere tun, tun wir auch für uns selbst." (Thich Nhat Hanh)

Impulse für die kalte Jahreszeit 

Die achtsame Teezeremonie – ein Genuss für die Sinne

Bereite dir deinen Wohlfühlort vor und schaffe eine angenehme Atmosphäre (z. B. durch Kerzen, Kaminfeuer, bunte Herbstblätter etc.). Suche dir eine schöne Tasse und/oder eine schöne Teekanne und deinen Lieblingstee aus.

Wichtig ist, dass du bereits bei der Zubereitung des Tees damit beginnst, all deine Sinne zu aktivieren:
 

  • Was hörst du? Wie klingt das kochende Wasser oder das Zischen der Teekanne?
  • Was siehst du? Welche Farbe hat der Tee? Wie verändert sich die Farbe während der Zubereitung?
  • Was riechst du? Woran erinnert dich der Duft des Tees?
  • Was fühlst du? Wie fühlt sich die warme Teetasse an? Welches Gefühl hinterlässt die Wärme des Tees in deinem Körper?
  • Was schmeckst du? Welche Geschmacksnuancen erkennst du? Woran erinnert dich der Geschmack des Tees?


Erlaube dir ganz bei dir anzukommen und beobachte, was sich während der achtsamen Teezeremonie in deinem Körper verändert.
 

Die achtsame Gehmeditation im Wald – zurück zur Natur, zurück zu dir 

  • Stelle dich mit beiden Beinen fest auf den Waldboden.
  • Spüre den Boden unter deinen Füßen und nimm einen tiefen Atemzug.
  • Hebe dann deinen rechten Fuß langsam mit der Ferse beginnend vom Boden an.
  • Setze den rechten Fuß behutsam ein Stück weiter vorne, mit der Ferse beginnend, auf dem Boden ab.
  • Wiederhole das Ganze mit dem linken Fuß.
  • Entschleunige dein gewohntes Tempo. Gehe bewusst langsam.
  • Achte auf die Tätigkeit des Gehens.
  • Wie fühlen sich deine Füße an? Wie fühlt sich der Boden unter deinen Füßen an? Kannst du das Knirschen des Schnees oder das Rascheln der Blätter hören?
  • Bleibe mit deiner Aufmerksamkeit bei deinen Füßen.
  • Halte noch etwas inne, erde deine Füße, schließe deine Augen, richte dein Brustbein nach oben/vorne und nimm ganz bewusst ein paar tiefe Atemzüge. Kannst du den Duft des Waldes riechen?
  • Beginne erneut mit dem Gehen und richte deinen Fokus wieder auf deine Füße.


Übrigens: Wusstest du, dass die Gehmeditation ein wichtiger Teil des heilsamen Waldbadens ist? Das Waldbaden („Shinrin Yoku“) ist in Japan seit Jahren eine staatlich anerkannte Präventionsmaßnahme im Bereich des Stressmanagements. Nachweislich stärkt Shinrin Yoku das Herz, den Kreislauf und das Immunsystem. 

Ich wünsche dir ein achtsames Erleben und eine schöne ruhige Jahreszeit. 


Ein Artikel von Julia Pfannenstein / Oktober 2021; www.colorful-emotions.com